Fachkräfte: Die Wirtschaft in Bayern zukunftsfähig machen

18. Januar 2023

Bayerns Wirtschaft steht am Scheideweg: Bayern braucht qualifizierte Arbeitnehmer:innen. Genügend Arbeitskräfte sind die Bedingung für unseren Wohlstand auch in der Zukunft. Der Fachkräftemangel ist aber immer deutlicher zu spüren. Wenn nicht jetzt wirksam gegengesteuert wird, wird er sich zum ernsthaften Problem für Prosperität und Wohlstand im Freistaat entwickeln. Die SPD-Landtagsfraktion hat deswegen Lösungen erarbeitet, um Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit auch in Zukunft zu sichern. Wichtig ist eine gut austarierte Kombination aus Zuwanderung, Fort- und Weiterbildung sowie einer verbesserten Erwerbsquote im Inland. Attraktivere Arbeitsbedingungen für Frauen sind dabei ein bedeutender Faktor, in anderen Berufen (etwa im Gesundheitsbereich) wäre ein höherer Männeranteil wünschenswert. „Wir müssen jetzt handeln“, sagt der Fraktionsvorsitzende Florian von Brunn mit Blick auf die bedenkliche Tatenlosigkeit von CSU und Freien Wählern. „Wir als SPD haben Lösungen erarbeitet, um den Wirtschaftsstandort Bayern in eine gute Zukunft führen.“

Eine robuste Wirtschaft ist die Grundlage unseres Wohlstands – und damit auch der Leistungsfähigkeit des Staates. Der sich zuspitzende Fachkräftemangel darf daher nicht zur Bedrohung für die Entwicklung unseres Landes werden. Diese Gefahr ist aber längst real. Gerade kleinere Unternehmen haben bei der Akquise große Probleme – vor allem im Hoch- und Tiefbau sowie in der Architektur. Die Landtags-SPD hat eine Studie in Auftrag gegeben, um die aktuelle Situation präzise zu analysieren und fachlich fundierte Vorschläge zu erarbeiten. Dabei müssen bundes- und landespolitische Maßnahmen ineinandergreifen.

Laut der Studie werden sich die Engpässe in den Unternehmen weiter verschärfen – vor allem im Norden des Freistaats droht ein akuter Arbeitskräftemangel. Auch der Raum München bleibt davon nicht verschont (etwa im Bereich Pflege), auch wenn er nicht ganz so stark betroffen ist. Zusätzlich gilt es eine bedeutende Umstrukturierung zu bewältigen: 15 Prozent aller Arbeitsplätze (1,2 Millionen) werden sich in den kommenden Jahren wandeln – was in der Praxis bedeutet, dass rund 530.000 wegfallen und rund 630.000 in anderen Bereichen neu entstehen. Mit neuen Aufgaben und damit neuen Anforderungen an die Qualifikation.

Die Aus- und Weiterbildung ist daher ein wesentlicher Baustein im SPD-Paket für eine zukunftsfähige Wirtschaft. Zusätzlich wird sich angesichts des Mangels an Bewerberinnen und Bewerbern die Konkurrenz zwischen den Unternehmen verstärken. Ohne Verbesserung der Arbeitsbedingungen kann es künftig schwierig werden, ausreichend gutes Personal zu rekrutieren. Ein wichtiger Faktor dafür ist Mitbestimmung im Betrieb.

Ohne Zuwanderung, da sind sich alle Expertinnen und Experten mit der SPD einig, ist diese Herausforderung nicht zu bewältigen. Bayern muss daher attraktive Bedingungen für Fachkräfte aus dem Ausland bieten – um sie anzuwerben, aber auch, um sie dauerhaft zu halten.

Das SPD-Zukunftskonzept für Bayerns Wirtschaft sieht vor:

Ausbildungsoffensive: Eine Ausbildung muss für junge Menschen wieder attraktiver werden. Deshalb soll es schon in der Schule eine umfangreiche Berufsberatung und Praktika geben, die Meisterausbildung muss künftig kostenfrei sein. Den Azubis sollen unter anderem kostengünstige Appartements, Nahverkehrstickets und zum Berufsstart eine Prämie angeboten werden. Die Berufsschulen müssen finanziell und personell besser ausgestattet werden.

Anreize zur Weiterbildung: Nur wer sich weiterbildet, hat realistische Chancen, beim Wegfall des eigenen Arbeitsplatzes eine gute neue Position zu finden. Dies gilt es zu fördern – durch ein Bildungsfreistellungsgesetz und eine Unterstützung von Unternehmen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich weiterbilden. Durch gezielte Umschulung kann die Aufteilung in typische Männer- beziehungsweise Frauenberufe verändert werden. Auf Bundesebene braucht es dafür eine Weiterbildungsstrategie und die Einführung einer Bildungs(teil)zeit.

Eine Strategie für den Mittelstand: Damit im Wettbewerb um Arbeitskräfte die kleinen und mittleren Betriebe nicht das Nachsehen haben, müssen sie in Zusammenarbeit mit Berufsverbänden, Gewerkschaften und Sozialpartnern gezielt finanziell unterstützt und sichtbar gemacht werden. Dies kann durch die Organisation von Bündnissen kleiner und mittlerer Unternehmen vor Ort geschehen – in der Folge können sich die Betriebe Fachwissen teilen, etwa durch den gemeinsamen Einsatz von Sozialpädagogen zur Betreuung junger Menschen in Ausbildung. Zudem soll ein bayerisches Tariftreue- und Vergabegesetz faire Arbeitsbedingungen sicherstellen. Neue Arbeitszeitmodelle und eine verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie können die Beschäftigten in die Firma locken bzw. in der Firma halten.

Gemeinsam den Umbau der Wirtschaft meistern: Bayerns Industrie muss die Transformation in Kooperation mit der „Konkurrenz“ planen und umsetzen – und dabei auch die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Sozialpartner auf Augenhöhe miteinbeziehen. Dies ist bei den bisherigen Kooperationen nicht der Fall, sie haben oft nur eine Alibifunktion.

Florian von Brunn, Fraktionsvorsitzender: „Wir müssen jetzt tätig werden, damit Bayerns Wohlstand auch in Zukunft gesichert ist. Wir müssen diese wichtige Zukunftsfrage jetzt entschlossen anpacken. Wir müssen Frauen aus der Teilzeitfalle holen und allen Jugendlichen eine Chance auf eine gute Ausbildung geben. Und CSU und Freie Wähler müssen ihre ideologische Ablehnung von Zuwanderung überwinden.“ Diana Stachowitz, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion: „Unsere Rezepte liegen vor: Aus- und Weiterbildung müssen verbessert werden, Geschlechterklischees auch auf dem Arbeitsmarkt überwunden werden. Es braucht eine gemeinsame Anstrengung der bayerischen Unternehmen, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu bleiben. Nach dem Motto: Stark handeln, um stark zu bleiben.“

Karl Bauer, Regionalleiter IG Bau: „Wenn die Baubranche den Fachkräftemangel meistern will, muss sie sich weiterentwickeln und bessere Arbeitsbedingungen bieten. Es ist nicht attraktiv, wochenlang auf Baustellen in Containern zu nächtigen. Da müssen sich die Arbeitgeber etwas einfallen lassen – und das ist auch gut so.“

Florian Bernardt, Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung: „Bayerns Wirtschaft steht vor großen Herausforderungen. Der Fachkräftemangel verschärft sich bis 2040 im gesamten Freistaat, am heftigsten ist der Norden betroffen. Dazu kommt: Rund 530.000 Arbeitsplätze fallen weg, rund 630.000 kommen neu hinzu – oft mit völlig anderen Anforderungen an die berufliche Qualifikation. Viele Menschen werden sich weiterbilden müssen.“

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