Umweltgift PFOA in Altötting: Wollte man die Bevölkerung in Sicherheit wiegen?

04. Juli 2018

SPD-Umweltexperte von Brunn verlangt Aufklärung wegen unterlassener Blutproben

Die von PFOA bedrohte Bevölkerung in Altötting ist viel zu spät auf das Umweltgift untersucht worden. Und das obwohl es bereits 2006 ein Konzept für flächendeckende Blutproben gegeben hat. Das musste der Präsident des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Dr. Zapf, gestern bei der Vorstellung des Jahresberichts nach hartnäckige Fragen des SPD-Umweltexperten Florian von Brunn einräumen. Demnach hatte das LGL selber ein Konzept für ein sogenanntes „Human-Biomonitoring“ entworfen. Auch die Trinkwasserkommission des Umweltbundesamts hatte dies 2006 für betroffene Bevölkerungsgruppen allgemein empfohlen. Die Untersuchungen wurden aber nie durchgeführt! Dr. Zapf sagte wörtlich in der Landtagssitzung, "die Vollzugsbehörden haben das Konzept damals nicht umgesetzt."

Dies sei ein ungeheuerlicher Vorgang, erklärt von Brunn. Er forderte, die zuständigen Minister Huber und Huml auf, jetzt alle Karten auf den Tisch zu legen: „Für mich besteht der begründete Verdacht, dass man die Bevölkerung in falsche Sicherheit wiegen wollte. Man hatte wohl Angst vor den Folgen. Wahrscheinlich wollte man auch den Verursacher, einen amerikanischen Chemiekonzern, schützen, aber nicht die Menschen vor Ort. Das ist ein Skandal, zumal alle CSU-Umweltminister bis hin zum jetzigen Ministerpräsidenten Söder über die Situation in Altötting persönlich informiert waren!“

Offensichtlich sind zahlreiche Menschen im Landkreis mit PFOA belastet, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein und sich im menschlichen Körper nur sehr langsam abbaut. Das war Ende 2016 zufällig bei der Untersuchung von Blutkonserven ans Tageslicht gekommen. Bis vor kurzem hatten verantwortlichen Behörden Werte bis 0.3 Mikrogramm pro Liter im Wasser dauerhaft akzeptiert, obwohl das Umweltbundesamt bereits 2006 empfohlen hatte, nur viel niedrigere Werte zu tolerieren.

Teilen